E-Gitarre
Die Elektrogitarre hat in der Regel sechs Stahlsaiten und wird mit Hilfe eines Gitarrenverstärkers hörbar. Wenn vielleicht zu Beginn der Entwicklung die Erhöhung der Lautstärke im Vordergrund stand, Gitarristen wollten sich angemessen in Bigbands gegen Bläser, Schlagzeug und co durchsetzen, so entwickelte sich durch den verstärkten Gitarrenklang eine ganz eigene Klangästhetik. Nicht zuletzt Jimi Hendrix erfand dann das Instrument eigentlich neu. Gitarre, Verstärker und Effektgeräte bilden heute eine Einheit, die durch immer raffiniertere Methoden den Klang so stark verfremden, dass die Entfernung zur akustisch gespielten Gitarre nicht ferner sein könnte.
Die E-Gitarre eignet sich meiner Meinung nach sehr gut, wenn man „sein eigenes Ding“ machen möchte: von gepflegten Old-School-Jazz bis zu infernalem bizarren Krach. Wenn wir die Geschichte der E-Gitarre betrachten ist auffällig, dass immer wieder Musiker als Autodidakten mit sehr ungewöhnlicher, eigenwilliger Spieltechnik neu Stile erfunden haben. Es ist sehr erfrischend zu sehen, wie es möglich ist, ohne klassische Ausbildung, aber großer Experimentierfreude neues zu schaffen. Als Gitarrenlehrer muss ich natürlich anmerken, dass es noch toller ist, wenn ein Musiker auf einen breiten Schatz an Grundkenntnissen aufbaut. Es ist zum Beispiel bekannt, dass Jimi Hendrix, ebenso wie Wes Montgomery, keine Noten lesen konnte. Heute gehören wenigstens rudimentäre Kenntnisse der Notenlehre und -Theorie zum Standard. Ebenso profitieren heutige Gitarristen von den Erkenntnissen der vergangenen Jahrzehnte: Bewegungsabläufe sind gut erforscht. Es gibt gute Gründe für Haltung und Technik der Gitarre. Wir müssen die Fehler vorangegangener Generationen nicht mehr machen, selbst wenn manchmal immer noch behauptet wird: das ist Rock n Roll.
Für mich gehört zum E-Gitarrenspiel ganz selbstverständlich auch die Improvisation. Sicher kann man mit jedem Instrument improvisieren, aber die Verbindung scheint mir hier doch noch ganz anders zu sein. Vielleicht liegt es an der Spielpraxis: Songs werden interpretiert und aus dem Stand spontan von den anwesenden Musikern arrangiert. Auch wenn in der Rock oder Popmusik nicht improvisiert wird, ist doch die Entstehung der Songs, der Entwicklungsprozess des Materials von Improvisation geprägt.