Gitarre spielen
Ich denke, wer sich auf diese Seite verirrt hat möchte Gitarre lernen oder die eigenen Fähigkeiten erweitern und verbessern. Vielleicht erübrigen sich so die folgenden Zeilen. Trotzdem ist es mir ein Bedürfnis ein paar Gedanken zum Thema Spielen und Üben aufzuschreiben
Gitarre und Bildschirme
Wer Gitarre lernen möchte, sollte regelmäßig üben. Diesem Satz würde wohl jeder spontan zustimmen. Noch richtiger finde ich, dass es eine Lerngarantie gibt – wenn das Richtige regelmäßig gemacht wird. Wie einfach Lernen funktioniert haben wir leidvoll durch Werbekonsum erfahren. Wer könnte nicht die alten Slogans aufsagen, die vor Jahren und Jahrzehnten ständig wiederholt wurden. Da es durchs Internet so leicht wie nie ist an Informationen zu kommen, sollte es doch kein Problem sein ganz nebenbei etwas zu lernen. Und hier kennen sicherlich alle auch den Segen und den Fluch der Technologie. Dem unendliche Meer an Informationen stehen wir auch beim Gitarrelernen gegenüber. Gleichzeitig hat das Gebrauchen der Bildschirmmedien, ich denke vor allem an das Smartphone, eine so starke Eigendynamik, dass unsere Zeit gebunden wird, wir abgelenkt werden und, wenn wir nicht sehr Willensstark sind, verhindert das Gerät, dass wir eigene Erfahrungen machen, selbst denken, zur Ruhe kommen und zuletzt: dass wir Gitarre lernen. Erwachsene scheinen hier oft hilflos sich zu ergeben. Unsere Kinder werden dieser Technologie ausgesetzt, in der unbegründeten Hoffnung, sie würden es irgendwie besser machen als die Eltern.
Immerhin scheint es in einigen Ländern nun mittlerweile die Einsicht zu geben, dass von Bildschirmmedien, neben allen Verheißungen und Funktionen, eine starke Bedrohung, vor allem für die Entwicklung unserer Kinder, ausgeht. Dass es leider einen Zwang gibt diese Geräte zu benutzen (ich scheine fast der letzte Mensch ohne Smartphone zu sein) ist es gut Räume zu finden, die nicht durch die Herrschaft der Bildschirme kontaminiert sind. Und hier hat das Lernen, das Spielen und Üben von der Gitarre, das Musizieren im Allgemeinen eine besondere Funktion.
Spaß
Für mich persönlich gibt es kaum etwas schöneres, als mich, vielleicht bei einer Tasse Kaffee, gemütlich zum Üben hinzusetzen. Ich habe aber nun auch gelernt, dass gerade das Wort „Üben“ nicht bei allen so positive Gefühle auslöst. Es mag sicherlich typabhängig sein: Es gibt disziplinierte Menschen, die sich aus Pflichtgefühl täglich zu ihren Übungen hinsetzen und eisern auf ein Ziel zuarbeiten. Daran ist absolut nichts falsch und vielleicht ist das bei mir stärker vorhanden als ich zugeben möchte. Die Freude allerdings der Gitarre immer wieder Klänge zu entlocken überwiegt doch immer noch nach immerhin 35 Jahren so stark, dass Disziplin bei mir eine untergeordnete Rolle hat.
Wird noch Hausmusik gemacht? Welche Bedeutung hat Musik in der Familien? Im Alltag? Singen und musizieren wir, wenn wir uns mit unseren Freunden treffen? Wir finden immer wieder schöne Beispiele, allerdings ist meine Erfahrung in den letzten über zwanzig Jahren als Gitarrenlehrer, dass in unserer Kultur Musik- und Kunstkonsum, ja, Konsum generell, vor dem Selbermachen steht. Wäre es nicht schön, wenn wir für uns, unsere Kinder und unsere Mitmenschen diese Kultur wiederbeleben könnten?